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Organ mit hoher Bedeutung für die Gesundheit: "Leber kommt von Leben"

Sie verdaut, entgiftet, stellt zentrale Eiweißstoffe im Blut zur Verfügung: Die Leber ist ein schwer beschäftigtes Organ. Was ihr guttut und wie sich erkennen lässt, wenn mit ihr etwas nicht stimmt. Zur Fastenzeit beschäftigen sich viele Menschen mit der Gesundheit der Leber. Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner, Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum AKH Wien - Medizinische Universität Wien, berichtet über das komplexe Organ.

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Was sind die Aufgaben der Leber?

Michael Trauner: Das sind viele und genau das ist bei  der Diagnose einer Lebererkrankung auch das Schwierige. Während die Niere recht leicht in ihrer Ausscheidungsfunktion über einen Wert zu untersuchen ist, gestaltet sich die Leber deutlich komplexer. Zum einen ist auch sie ein Ausscheidungsorgan und leitet nicht nur Medikamente, sondern auch zahlreiche körpereigene Substanzen aus dem Körper, beispielsweise den Gallenfarbstoff Bilirubin. Wenn das nicht richtig funktioniert, sind gelbe Augen ein Symptom.

Zudem erfüllt die Leber eine wichtige Verdauungs- und Stoffwechselfunktion, stellt beispielsweise die Gallensäure her, ist maßgeblich beteiligt an der Verstoffwechslung von Fetten, Eiweißstoffen und Kohlenhydraten. Auch bildet die Leber Eiweißstoffe neu, so zum Beispiel die Gerinnungsfaktoren sowie das Haupteiweiß Albumin im Blut.

Man muss es sich nur einmal vorstellen: Alles, was in den Darm kommt, muss erst  durch die Leber hindurch. Damit erfüllt die Leber eine zentrale Filter- und Abwehrfunktion. Das Wort „Leber“ ist nicht ohne Grund mit dem Wort „Leben“ verwandt, die große Bedeutung des Organs für unsere Gesundheit ist seit Jahrtausenden bekannt.

Wie lässt sich erkennen, dass mit der Leber etwas nicht stimmt?

Das ist genau das Problem: Man merkt lange Zeit überhaupt nichts. Die Leber selbst hat keine Nerven, eine Schädigung verursacht also keine direkten Schmerzen im Organ. Allerdings könnte ein Völlegefühl im rechten Oberbauch spürbar sein, wenn die Leberkapsel, die wiederum sehr wohl über Nerven verfügt, durch die Schwellung des Organs  spannt.

Patientinnen und Patienten berichten gelegentlich, dass sie das beispielsweise beim Schuhebinden bemerken. Die Müdigkeit ist ein frühes Symptom, wird aber nicht unbedingt  gleich mit einer Lebererkrankung assoziiert. Bei einer Gallenabflussstörung kann es zu Juckreiz oder Gelbsucht kommen, das sind aber eher späte Symptome.

Was sind die häufigsten Lebererkrankungen in Österreich?

Die Nummer eins ist die Fettleber, die durch eine übermäßige Fetteinlagerung in den Leberzellen entsteht. Übergewicht, Diabetes Typ 2 und eine zuckerreiche sowie fette Ernährung führen zu diesen vermehrten Triglyceriden in der Leber. Auch die Störung des Fettstoffwechsels und die damit einhergehende Schädigung der Leber durch einen übermäßigen Alkoholkonsum kommt in Österreich relativ häufig vor. Im Vergleich seltenere Ursachen hierzulande sind die Einnahme bestimmter Medikamente sowie die Virusinfektionen Hepatitis A, B, C, D und E. In Österreich sind die Hepatitis-A-Fälle leider erst in der jüngsten Zeit stark angestiegen, vor allem erklärbar durch unzureichende Impfraten.

Was fördert die Gesundheit der Leber?

Weniger das einmalige Leberfasten als eine dauerhafte  ausgewogene, gesunde Ernährung im mediterranen Stil, ein maßvoller Umgang mit Alkohol und – bei Übergewicht – Abnehmen. Für die Prävention von Herz-Kreislauf-Beschwerden spielt zudem regelmäßige Bewegung, besonders Ausdauersport, eine große Rolle.