innovative Therapien die Verläufe verzögern oder gar aufhalten, weiß Rheumatologin Priv.-Doz. Dr. Lisa Göschl, PhD von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, KA für Rheumatologie der MedUni Wien.
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Schuppenflechte, Rheuma, Zöliakie, Morbus Crohn sind den meisten Menschen ein Begriff. Weit weniger wissen allerdings, dass es sich bei diesen Erkrankungen um eine Autoimmunerkrankung handelt. Was ist damit gemeint?
Lisa Göschl: Das Immunsystem ist dazu da, den Körper vor Krankheitserregern wie Viren, Bakterien, Pilzen, vor Schadstoffen aus der Umwelt oder entarteten Zellen zu schützen. Wendet es sich gegen den eigenen Körper, spricht man von einer Autoimmunerkrankung.
Wobei es sich um einen Oberbegriff handelt …
Stimmt. Der Begriff „Autoimmunerkrankung“ umfasst eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen. Man geht von rund 150 bis 200 Autoimmunerkrankungen aus.
Was passiert konkret, wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet?
In diesem Fall kommt es zu unkontrollierten Inflammationen. Diese Entzündungen führen in der Folge immer dazu, dass körpereigenes Gewebe irreversibel zerstört wird. Nicht zuletzt deshalb, da sie anders als akute Entzündungen chronisch werden.
Autoimmunerkrankungen sind also nicht heilbar?
Derzeit ist es tatsächlich so. Allerdings kann man ihr Fortschreiten oftmals mit der entsprechenden Therapie verzögern.
Kann eigentlich jede Struktur oder jedes Organ betroffen sein?
Ja, eine Autoimmunerkrankung kann sich überall im Körper ausbilden. Denken Sie nur an Multiple Sklerose – dabei handelt es sich um eine neurologische Autoimmunerkrankung. Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und Zöliakie hingegen gehören zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen des Darms. Bei Morbus Basedow und der Hashimoto-Thyreoiditis wiederum wird die Schilddrüse Ziel der Immunattacke. Bei Psoriasis, Dermatitis und Neurodermitis ist die Haut betroffen. Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem fälschlicherweise die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Aber wie gesagt, jedes Organ, auch Nieren, Lunge, Herz oder Augen, können betroffen sein.
Was sind die häufigsten Autoimmunerkrankungen?
Am häufigsten ist die Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung, Anm.), danach die Psoriasis und die Rheumatoide Arthritis. Für die einzelnen Erkrankungen findet man eine Prävalenz von bis zu fünf Prozent der Bevölkerung.